Gettin´ away with it, all messed up
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„ ...Gott ist tot, aber der Fernsehturm blinkt noch, und die Großstadtlichter flirren, auf Rolltreppen geht es hienauf, hinab und große Sätze werden noch größer, wenn man schreit oder flüstert, sind dann größer als der Fernsehturm“
BvS-B, Remix 2

Ich möchte so einen Film drehen. So einen mit Gesichtern. Mit Menschen. Allesamt verzweifelt. Und immer am Laufen. Sie irren nicht herum, sie haben schon ein Ziel. Aber eigentlich ist es das Ziel nicht wert, es zu verfolgen. Und das wissen die Menschen in meinem Film. Sie menscheln.
Am Anfang des Films wird ein lockiger Junge mit Armeeparka aus einem Bus geworfen. Es regnet in England. Er guckt dem Bus nach, bis er verschwunden ist. Wir wissen nichts über die Busfahrt.
Er setzt die Kapuze auf und sich selbst in Gang. Er versucht sich eine Filterlose anzumachen. Doch die Streichhölzer sind nass geworden. Er guckt die Kippe Sekunden an und wirft sie dann enttäuscht in den Straßengraben.
Ein Auto hält an und die Scheibe des Beifahrers wird heruntergekurbelt. Eine Dame mittleren Alters fragt ihn, ob sie ihn mitnehmen sollen. Den Fahrer kann man nicht sehen. Er verneint und das Auto fährt weiter. Der Regen ist inzwischen so stark geworden, dass er kaum noch etwas sieht.
Im Hintergrund „Whore“ von Low.
Nach einer Kurve sitzt sie da. Auf ihrem Rucksack. Seit 20 Minuten kein Auto mehr. Sie ist hübsch. Ihr Gesicht weiß. Ihre Lippen rot, obwohl sie keinen Lippenstift benutzt. Sie hat pechschwarzes Haar. Es klebt auf der Stirn und an den Schläfen. Sie hat den regen nicht erwartet. Nur ein Rock und Halbschuhe. Ein Blazer und ein Kapuzenpullover.
Er sieht sie erst, als er fast vor ihr steht. Sie hat ihn schon eher gesehen. Doch keine Regung in ihrem Gesicht.
Jetzt sieht er sie. Es riecht jetzt wieder nach Sonne. Es riecht, wie es nach einem Sommerregen riecht. Doch der Regen fällt weiter. Sein Ziel ist nicht auszumachen. Er fällt einfach weiter, immer weiter. Noch will er fallen. Die Felder werden es ihm danken.
„Morning Glory“ läuft in seinen Ohren. Er ist sicher. Er hört das Lied in Originalgeschwindigkeit. Erst dann geht er weiter auf sie zu. Fünf Meter vor ihr hatte er gestanden. Fast fünf Minuten.
Er flüstert seinen Namen, hört ihren klar und deutlich und gibt ihr die Hand. Sie guckt au die Straße. Er beobachtet sie von der Seite. Als er sieht, wie sie zittert, zieht er seine Jacke aus und legt sie ihr um. Sie erschrickt, lächelt dann aber und haucht kurz danke.
Sie gucken wieder. Da ein Auto, sie winkt, es hält.
Ein Volvo. Auf dem Dach Bauteile für ein gläsernes Gewächshaus. Sie setzt sich auf die Rückbank und stellt ihren Rucksack neben sich. Für ihn bleibt der Beifahrersitz frei. Unbehagen. Erinnerungen. Er will nicht in das Auto. Doch sie schaut ihn hilflos an. Er will bei ihr sein. Also setzt er sich auf den Sitz und nimmt die Umgebung war. Der Wagen ist geheizt, es riecht nach nasser Erde. Aus dem Kofferraum vernimmt er einen großen Hund.
Der Fahrer ist groß. Er ist hässlich. Segelohren, große Nase, viele Falten, sehr braun, kurzes Haar. Ein grüner Arbeitsoverall und Gummistiefel. Ein kariertes Hemd und herber Schweiß. Er möchte aus dem Wagen, ihm ist nicht wohl.
Doch er schaut sie an und er schaut zurück. Und sie grinst und wischt sich die Haare aus dem Gesicht. Dafür muss sie die Kapuze abnehmen. Sie tut es mit zwei schlanken Händen.
Er muss nun auch grinsen. Sie soll sich wohlfühlen.
Die Fahrt ist unendlich. Der Mann fährt schnell, der Regen hat nachgelassen. Und doch dauert es lange, bis sie anhalten. Er kennt die Strecke, sie kommt ihm aber ungeheuer lang vor. Er kann es nicht überprüfen. Seine Uhr war stehengeblieben.
Sie steigt aus, dankt dem Fahrer.
Der fragt, ob er noch weiter wolle. Er verneint und steigt auch aus. Er läuft ihr hinterher, bleibt jedoch noch einmal stehen, schaut nach dem Auto. Es steht noch unverändert. Also geht er zurück und öffnet die Fahrertür. Er holt ein Tape aus seiner Tasche, gibt es dem Fahrer und bedankt sich. Der Mann nickt bloß und bietet ihm eine Zigarette an. Der Junge schaut...Er verneint und geht. Sie steht in der Bushaltestelle und wartet auf ihn.
„Versuch nicht, mir klarmachen zu wollen, dass das nicht so gedacht war. Ich glaube an Schicksal.“ So begrüßt sie ihn, als er die Sicherheit des Daches betritt. Sie schaut ihn selbstsicher an. Es wird warm. Sie gibt ihm die Jacke zurück. Ihre Sachen sind klitschnass. Sie zieht ihren Blazer und den Pullover aus. Sie hängt beides über das Schild „Bus 15“ zum Trocknen in die Sonne. Also bleiben wir länger. Er sieht sie an, in ihrem Poloshirt.
Er kann nicht mehr. Er geht zu ihr, als sie sich gerade umdrehen will, um etwas aus ihrer Tasche zu holen. Er hätte gerne gewusst, was sie dem Rucksack entnehmen wollte, aber nun musste er handeln. Er nimmt ihren Kopf und küsst sie. Sie küsst zurück.
Auf ihrem Oberarm steht „love is just a miserable lie“. Es ist perfekt gestochen. Wahrscheinlich mit einem Kugelschreiber. Doch wer schreibt einem so etwas auf den Arm...
„Ein Franzose hat es mir gemacht. Nachdem seine Freundin sich erschossen hatte. Meine Schwester.“
Und je mehr er darüber nachdenkt, hat er alles oder nichts zu verlieren.
„Green Eyes“ läuft in ihren Köpfen, als sie sich aufmachen, um zum Strand zu gehen. Er trägt ihre Tasche. Sie ihre Jacke und den Pullover. Sie hält seine rechte Hand. Er hält es für nötig und schön. Sie reden nicht. Aber sie sind da. Sie fühlen alles. Die Unendlichkeit. Zum ersten Mal seit Jahren, denkt er.
Nichts mit „we`re gonna live forever“. So hatte er gedacht. Daran hatte er inzwischen gezweifelt. Doch jetzt glaubte er wieder daran. Er glaubte wieder. An sie und am sich. Und an sie beide. Und daran, dass nach dem Sonnenuntergang eine Nacht folgen würde. Und dass sich danach weiter alles drehen würde. Und dass sie zusammenbleiben würden.
Denn warum sonst sollte ihre Hand warm sein...
Die schönsten tage eines Lebens. Warum nicht. Warum nicht glücklich sein



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