Gettin´ away with it, all messed up
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1.
Wir sind eine verlorene Generation. Ich weiß es. Wir sind die Zukunft Deutschlands. Pah...
Ich bin mir der Lage so sicher, weil ich ein, mich und meine Altersgenossen stark belastendes, Indiz dafür gefunden habe, dass wir DIE verlorene Generation schlechthin sind. Denn natürlich war jede Generation der Weltgeschichte eine verlorene Generation. Die Hippies, die Punks, die Mods, die Rocker, die Popper, die neureichen Snobs, die Anti-Sonstwas und Pro-Jenes....
Sie alle waren faul, oder schizophren, oder destruktiv, oder gewalttätig, oder unengagiert. Oder im schlimmsten Fall alles zusammen, was in Verbindung mit den verschiedensten Arten von legalen, oder illegalen Drogen ein explosives Gemisch ergibt. Doch sie alle haben sich gefangen, wurden älter, erwachsener, spießiger, fetter und nahmen schließlich einen unterbezahlten Bürojob an, sparten sich 10 Jahre Gehalt vom Mund ab und schließlich kauften sie dann einen gebrauchten Benz, möglichst Limousine, damit die Nachbarn denken können „Oh, der Herr Schneider, aus dem ist ja auch was geworden!“
„So weit so gut. Unsere Zukunft sieht doch eigentlich ganz rosig aus. Wir werden es auch schaffen. Wenn die das alle geschafft haben, wird das für uns eine leichte Übung“, denken wir jungen Leute. Das schlimme ist, das wir das nicht wirklich denken, sondern dass wir es uns tagtäglich selber einreden. Und da liegt der Unterschied, der mich ängstlich, traurig und verzweifelt macht.
Ja, jede Generation war eine verlorene Generation. Aus der Sicht der Erwachsenen.
Bei meiner Generation ist es traurig aber wahr, wir wissen es, als erste Generation der Weltgeschichte selber und glauben allen die es uns sagen und sind alle zutiefst betrübt, ängstlich und voller Panik, wenn wir uns jeden Tag aufs neue klarmachen:
Wir sind VERLOREN! Wir werden unseren Arsch NIE hochbekommen! Wir werden NIE mit den Drogen aufhören können! Wir werden NIE gute Leistungen bringen können! Wir werden NIE ein normales Leben führen!
Oh ja, wir alle wissen das, es wird uns jeden Tag aufs neue klar. Und es macht uns eine riesige Angst. Und doch verstecken wir uns hinter einer gutgelaunten Fassade, aus dem einfachen Grund, dass es einfach zu erniedrigend währe, der Wahrheit im Alltag ins Auge zu sehen.

2.
Ich bin ein Musik-Nerd. Ich besitze alle Oasis-Alben, inklusive der Japan-Importe (teuer!), zweimal. Einmal auf CD zum täglichen hören. Und dann noch auf Vinyl. Warum? Ich weiß es nicht. Mir fällt kein vernünftiger Grund ein. Und natürlich besitze ich alle bis heute veröffentlichten Singles, manche sogar noch originalverschweißt. Diesmal finde ich eine Erklärung: Die B-Seiten.
Die B-Seiten sind unerreicht. Mitunter sind die B-Seiten besser als die Singles selber. Carry Us All zum Beispiel ist eine wundervolle Pop-Ballade und ist doch nie auf einem Studioalbum erschienen. Was ich damit sagen will, Oasis ist eine so gute Band, dass sogar die B-Seiten, der Abschaum der Plattenwelt, weltbewegende Superhits sind.
Doch ich weiche vom Thema ab. Ich bin also ein Musik-Nerd. Das hätten wir geklärt. Das ist teuer. Von zu Hause bekomme ich nicht viel Geld,
„25 € Taschengeld, dass muss reichen, früher wären wir froh gewesen, hätten wir 50 DM bekommen.“
Dann noch 12 € pro Monat fürs Zeitungsaustragen, eine Mordsschinderei.
Also hätten wir dann unterm Strich 37 €, nicht viel, wenn man bedenkt, dass eine durchschnittliche CD bei Saturn 16 € kostet und ich ja nicht nur Oasis höre, sondern monatlich mindestens 5 CDs erscheinen, die ich unbedingt in meiner CD-Wand stehen sehen möchte, kommt da also einiges an Kosten zusammen.
Woher also das Geld nehmen? Klauen? Zu gefährlich. Stil-los. Also fing ich mit dem Dealen an.
Erst Gras, doch das wurde bei meinen Altersgenossen zu schnell unmodern. Und das Geschäft mit den paar 8-Klässlern, die nicht kifften, um zu kiffen, sondern um Teil einer Pseudo-Jugendbewegung zu sein, lohnte sich schon bald nicht mehr. Also musste was neues her. Koks erwies sich als äußerst lukrativ.
Man gibt dem potenziellen Kunden einfach das Gefühl, etwas besonderes zu sein, und natürlich eine Kostprobe. Wenn der Gegenüber was von wegen „guter Stoff, Alter“ murmelt, weiß man, dass er keine Ahnung hat und man ihn ordentlich bescheißen kann. Zuerst verkauft man das billigste Zeug, was mit allem, was weiß ist, gestreckt ist, wartet darauf, dass die Wirkung einsetzt, gibt der armen Figur ein Getränk an der Bar aus („zwei Bier für mich und meinen Kumpel hier!“) und dann geht der Spaß erst richtig los. Dann wird Tequilla gesoffen, bis der arme Kerl vor lauter Wechselwirkungen nicht mehr stehen kann. Dann noch zwei Wodka-Red-Bull („du wirst sehen, das macht dich wieder fit!“) und die Kotzerei geht los. Während der dämliche Vogel sich den Frust über sein langweiliges Leben aus der Seele kotz, nehm ich ihm das Portemonnaie aus der Designer-Jeans.
Und so geht das jedes gottverdammte Wochenende. Einziger Nachteil ist, dass ich für die Masche immer in Clubs gehen muss, die über ihrer Bar mit „Free Drinxxxxx 4 all da Girlzzz “ werben, oder „Girlz im Mini-Rock“ eine Überraschung versprechen. Dort ist die Musik schlecht, die Leute sind dumm und je später der Abend, desto besser das Geschäft. Gott sei Dank muss ich nicht alleine dorthingehen. Mein bester Freund Max kommt mit mir. Sonst würde ich es echt seinlassen. Scheiß auf das Geld, die Leute sind schlimmer als Armut!
3.
Wir gehen also auch heute wieder zusammen hin. Wir tragen unsere besten Anzüge, bunte Hemden und passende Schuhe. Die Haare sitzen, die Laune ist mies, aber scheiß drauf, der Abend bringt Geld. Natürlich haben wir auch schon jeder ein Näschen gezogen, bevor wir von zu Hause los sind, sonst wär der ganze Scheiß ja echt nicht ertragbar. Hoffentlich ertragreich. Ja wird schon. 23 Uhr, der Pöbel ist schon strunze-dicht. Beste Voraussetzungen. Den erstbesten Sunny-Boy angelabert, der lehnt ab. Naja, weiter geht’s.
Nach 30 Minuten haben wir beide noch keinen Erfolg. Egal, erstmal aufs Klo, Line gelegt und erledigt. Gute Laune kommt auf. Ich sehe mich im Spiegel an. Gut siehst du aus. Also wieder raus, Leute anlabern. Endlich, Kundschaft. Der selbe Idiot vom letzten Wochende, doch schon so besoffen, dass er mich nicht wiedererkennt. Alte Masche, auch nicht klüger geworden, der Typ. Nach ner halben Stunde hab ich sein Geld. 500 €, oha. Ganz schön viel nach nur einem Idioten.
Da die Wirkung des Kokses langsam nachläßt, merken wir, dass wir eigentlich keinen Bock mehr, und auch genug Geld für heute Abend haben. Also schnell raus und ab in die nächste Kneipe. Endlich normale bis normal-verrückte Leute. Wir haben gute Laune und geben eine Runde nach der andern aus.
Als ich auf die Uhr gucke, ist es schon 5 Uhr. Das Geld wird immer weniger und die Sonne geht langsam auf.
Also Max gepackt und ab an die Elbe, Sonnenaufgang gucken. Schön wie immer. Die Elbe hat halt was. Ein letztes Bier und dann aber ab nach Hause. Die gute Laune will noch einmal aufkommen, doch auf dem Weg kommt uns eine besoffene Meute NPD-Schweinenacken entgegen.
Ob sie es tun, weil Max scherzhaft „Alles für alle und zwar umsonst!“ ruft, oder weil sie kleine Pimmel haben, oder weil ihnen vor lauter Dummheit langweilig ist, oder weil sie ordentlich gesoffen haffen, oder alles zusammen, weiß ich nicht. Aber jedenfalls schlagen sie uns zusammen. Sie sind ja zu fünft und stroh-dumm.
Wir wehren uns, gelingt uns sogar ganz gut. Nur ein Paar Schläge auf den Kopf, tut gar nicht weh, wir können uns befreien, rennen weg, nur schnell weg. Schuh verloren, egal. Kauf ich mir neue. Ich hab ja jetzt Geld. Jacke im Arsch, das ist schon scheiße, die war original Brighton `64. Aber das konnten die Faschos ja nicht wissen, vielleicht hätten sie dann Rücksicht genommen.
Zu Hause erstmal Klamotten aus und schön duschen. Doch schön duschen is nich, es wird zur Qual, alles dreht sich, die Wassertemperatur ist nicht regulierbar, also schnell wieder raus. Halbgeduscht lege ich mich auf die Matratze, Max liegt schon, er hat das mit dem duschen gar nicht erst versucht. Ich mache das Licht aus, lege mich hin und schlafe sofort tief und fest. Ohne Träume



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